Nähen

Wie du dein neues Nähprojekt verwirklichst

In Teil 1 habe ich darüber geschrieben, wie du dein neues Nähprojekt am besten anpackst und planst.

Ein wenig Vorbereitung war auch dort schon vorhanden und heute geht es weiter mit der heiligen Dreifaltigkeit: Schnittmuster, Zuschnitt und Nähen. Ist das aufregend!

Diese Schritte sind wohl auch die, die am meisten Spaß machen. Und auch die aufwendigsten. Aber womit anfangen und worauf solltest du achten? Auf gehts:

Schnittmuster

Je nach Schnittmuster wird jetzt entweder erstmal gedruckt und geklebt, also ein E-Book,oder das Papierschnittmuster einfach nur ausgebreitet.

Hast du die passende Größe gefunden geht´s ans Abpausen. Das empfehle ich ja immer. So hat man den Originalschnitt dann immer wieder zur Hand, falls mal ein zweites Teil in anderer Form und Größe benötigt wird. Außerdem kann man kleine Änderungen im Originalschnitt einzeichnen und gleich mitkopieren.

Ich persönlich benutze Schnittpapier, also ein großformatiges Seidenpapier von der Rolle. Manche nutzen aber auch Folie oder Vlies.

Ok, haben wir das. Muss das Schnittmuster noch angepasst werden? Dann geht’s jetzt wieder ans Schneiden und Kleben.

Optional ist dies jetzt die Stelle, an der du noch ein Probeteil einschieben könntest. Oder auch vier

Zuschnitt

Ach, Zuschnitt ist am Anfang immer so aufregend und am Ende nervt es nur noch…

Wie ich in meinen grundlegenden Nähtipps schon geschrieben habe, ist es echt am praktischsten wenn du alles in einem Rutsch zuschneidest, um dich hinterher nur aufs Nähen konzentrieren zu können.

Fangen wir also mit dem Oberstoff an. In der Anleitung müsste ein Auflageplan vorhanden sein, an den du dich halten kannst.

Wer schon etwas weiter ist und/oder Stoff sparen möchte, der kann auch so auflegen. Ich finde, die Auflegepläne sind manchmal sehr stofffressend, weil meist nur ein Bruch gelegt wird.

Hauptsache die Teile kommen so raus wie sie auch benötigt werden. Immer und unbedingt auf Brüche, Fadenlauf und Anzahl achten.

Alle Teile werden nun festgesteckt und die Nahtzugaben markiert, wenn sie nicht schon im Schnitt enthalten sind.

Noch einmal kontrollieren und dann kommt die große Schere!

Das gleiche jetzt für Futter, falls vorhanden, andere Oberstoffe und Einlage.

Denk dabei auch an eventuelle Aufhänger, Einlagenstreifen für z.B. Tascheneingriffe und Teile, die nicht unbedingt im Zuschnittverzeichnis aufgeführt sind.

Einrichten

Nein, keine Wohnung, sondern den Nähplatz und natürlich die gerade zugeschnittenen Teile!

Einrichten heißt, alles soweit vorzubereiten, dass man reibungslos Nähen kann.

Einlage

Alle Schnittmusterteile, die mit Einlage bebügelt werden müssen, werden jetzt von Stecknadeln befreit und das passende Einlagenschnittteil wird auf die linke Seite gelegt.

Die meisten Einlagen bügelt man heutzutage, ich gehe jetzt mal davon aus, dass du solche benutzt, ansonsten musst du, statt zu bügeln, jetzt alles mit Handstichen anheften.

Um sie aufbügeln zu können ist auf einer Seite des Vlieses ein Kleber angebracht. Meist sind dies kleine Punkte, es gibt aber auch vollflächige Kleber. Die kleinen Punkte sorgen für gute Haftbarkeit, gleichzeitig aber auch dafür, dass der Stoff nicht ganz so „brettig“ wird, wie bei der anderen Klebervariante.

Ich lege beim Aufbügeln von Einlage gerne ein altes Tuch auf das Bügelbrett, um die Auflage zu schützen. Manchmal schneidet man ja doch etwas größer zu.

Dann geht´s los, am besten bewegst du das Bügeleisen nicht auf der Einlage, sonst verschiebt sich nachher noch was. Immer aufsetzen, kurz warten, hochnehmen und daneben wieder absetzen. So lange bis das ganze Teil komplett verklebt ist.

Der Kleber muss dann noch abkühlen, damit alles gut hält. Dabei das Schnittteil am besten nicht bewegen oder zumindest flach liegen lassen.

Danach schaust du dir am besten nochmal jedes Teil an, um zu prüfen, ob auch wirklich alles klebt und keine Blasen zu sehen sind. Außerdem kann es sein, dass du überstehende Einlage abschneiden musst. Das hilft später dabei genau nähen zu können.

Heften und Markieren

Da haben wir es wieder, das Heften und Markieren.

Ich finde es enorm hilfreich und wichtig zu wissen, wo Anstösse, Taschen, Umbrüche oder andere Markierungen sind.

Also nimmst du dir einen Heftfaden und Nadel, eine Schneiderkreide oder einen Trickmarker und markierst alle wichtigen Punkte, die im Schnittmuster eingezeichnet sind. Manchmal reicht ja auch schon ein Knips innerhalb der Nahtzugabe.

Bei sehr dünnen Stoffen kann auch mit einem Nähgarn geheftet werden, um große Löcher zu vermeiden.

Bügeln

Ich sags euch, hier wird nur gebügelt!

Ich bügel nochmal alle Teile ab, die aus irgendeinem Grund schon wieder eine Falte oder Knitter abbekommen haben.

Außerdem ist es ganz praktisch alle Säume umzubügeln. Dazu klappst du einfach die Saumzugabe hoch zur linken Stoffseite und gehst mit dem Bügeleisen drüber. Das hat den enormen Vorteil, dass du die Säume später nur noch einschlagen musst und dafür den vorhandenen eingebügelten Bruch nimmst. Kein Messen mit dem Handmaß alle paar Zentimeter oder, das hab ich jetzt nicht gehört, Augenmaß-Säume!

Arbeitsplatz

Der Platz, der für die nächsten Stunden (oder Tage) dein zu Hause sein wird. Schon ein bequemer Stuhl und ein Tisch, bei dem kein Bein im Weg ist können da wichtig sein.

Die Nähmaschine sollte natürlich draufstehen und mit passendem Garn und Nadel ausgestattet werden.

Falls du die Overlock oder Coverlock brauchen solltest, werden die natürlich auch angepasst.

Daneben liegt dann bestenfalls eine Schere zum Abschneiden der Fäden, vielleicht ein Behältnis für die herausgenommenen Stecknadeln, ein Auftrenner und, mein kleiner „Geheimtipp“, ein Handmaß (oder Lineal/Geodreieck).

Das Bügeleisen kannst du auch schonmal darauf vorbereiten, dass es heute Überstunden machen wird. Das brauchen wir nämlich beim Nähen andauernd.

Brauchst du sonst noch andere Dinge oder Hilfsmittel? Ein Ärmelbrett, Nadelbrett oder spezielle Nähsohlen wie Reißverschluss- oder Rollsaumfüße? Dann am besten schonmal in Reichweite legen oder zumindest wissen, wo sie sind.

Nähen

Na endlich! Das hat gedauert!

Im Ernst, ich glaube, ich brauche für die Vorbereitung meistens viel länger als fürs Nähen. Vor allem der Zuschnitt und das Schnittmuster hauen manchmal echt rein. Ok, ich trödel natürlich auch gern und trinke zwischendurch Tee und skippe andauernd bei spotify…

Also, theoretisch kann ja jetzt eigentlich gar nichts mehr schiefgehen und du kannst das Teil mühelos runternähen.

Theoretisch natürlich…

Praktisch ist das ja so eine Sache, nicht umsonst hab ich beim Arbeitsplatz einrichten den Auftrenner erwähnt… tut mir leid, aber das passiert jedem. Einfach ruhig bleiben und nochmal probieren.

Beim Nähen gehst du nun nach der Anleitung oder deinem selbst ausgedachten Ablaufplan.

Fertig!

Geschafft? Bin ich auch, aber in meinem Ordnungs-Universum ist diese Art Ablauf einfach ein Segen. Konntest du allem folgen? Woran hättest du nicht gedacht?

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