Nähen,  Schnittmuster,  Technik

Schnittmuster vorbereiten – einfach erklärt

Am Anfang können Schnittmuster ziemlich verwirrend und bedrohlich wirken. Da sind tausend Linien, vielleicht sogar übereinander, kreuz und quer gezeichnet.

Da stehen komische Bezeichnungen oder Abkürzungen, die bestimmt irgendwie wichtig sein könnten, aber du weißt nicht so recht, was das ganze eigentlich soll.

Was ist überhaupt wichtig, um nachher mit diesem Schnitt unproblematisch nähen zu können?

In diesem Post bringe ich Licht in das dunkle Dickicht der Schnittmusterbezeichnungen!

Richtigen Schnitt finden

Fangen wir mit dem offensichtlichstem an, oder?

Bei einem Einzelschnittmuster brauchst du glaub ich nicht lang suchen….

Dies ist vor allem für Schnittmuster-Zeitschriften interessant: In der „Gebrauchsanweisung“ deines auserwählten Schnitts steht auf welchem Teil des Bogens du die Schnittteile findest. Meist ist das in Buchstaben unterteilt.

Als nächstes steht in der Anleitung welche Farbe dein Schnitt hat. Zum Glück ist das heutzutage farbig. In früheren Ausgaben, ich meine so richtig früher, war einfach alles schwarz gedruckt! Und auf einem einzigen winzigen Bogen!!

Und dann steht natürlich noch da, welche Schnittteile zu dem Schnitt oder der Schnittversion gehören. Dies sind meistens Nummern.

Für Zeitschriften: oben und unten am Bogen sind Zahlen in verschiedenen Farben. Sie zeigen an welches Schnittteil wo auf dem Bogen zu finden ist. Einfach die Schnitteil-Nummer aus der Anleitung in der entsprechenden Farbe (z.B. 1 für das Vorderteil) raussuchen und nach oben (oder unten) auf dem Bogen langfahren. Auf der vertikalen Achse findest du das Schnittteil.

Die Größe

Ein wundervolles Beispiel für Schnittlinien, die mit den entsprechenden Größen markiert sind

Entweder auf dem Schnitt oder in der Anleitung ist vermerkt, welche Größe welcher Strichlinie entspricht. Verschieden gestrichelten Linien erleichtern es sehr in dem ganzen Kuddelmuddel seine Größe beim Abpausen nicht aus den Augen zu verlieren.

Die Begriffe

Ein paar der gängigsten Begriffe und ihre Erklärungen habe ich hier mal aufgelistet. Vielleicht kommt ja in Zukunft nochmal ein extra Post hierzu.

  • VM – die vordere Mitte, diese Linie markiert die Senkrechte, die durch die Mitte deines Körpers verlaufen wird
  • HM – die hintere Mitte, du ahnst es schon, wie die vordere Mitte, nur hinten
  • SN – die Seitennaht, die Senkrechte, die seitlich an deinem Körper verläuft. Im besten Fall ist sie im genähten Kleidungsstück optisch gerade
  • VK – die vordere Kante, die äußere Kante am Vorderteil. Nicht immer vorhanden. Nicht gleich mit der VM
  • Ober-/Untertritt – die Überlappung für evtl. Verschlüsse, Schlitze
  • Ärmeleinsatzzeichen – DER Knips schlechthin, er sorgt dafür, dass du den Ärmel richtig an das Armloch setzen kannst
  • Umbruch – hier wird der Stoff umgeschlagen, bspw. am Kragen
  • Anstoß – hier beginnen oder enden Nähte anderer Teile

Abpausen

Ich bin ja ein Verfechter des Abpausens. Egal ob selbst ausgedrucktes Einzelschnittmuster oder Zeitschrift. Die Schnittbögen bleiben immer ganz. Vielleicht braucht man für jemand anderen nochmal eine andere Größe, möchte Schnittänderungen vornehmen oder ein anderes Schnittmuster benutzen, dass zufällig kreuz und quer darüber gedruckt wurde (bei Zeitschriften).

Für das Abpausen benutze ich Schnittmusterpapier, also ein großformatiges Transparentpapier von der Rolle, einen Bleistift und ein Geodreieck oder Schneiderwinkel, ganz easy.

Was wird abgepaust?

Natürlich die Linien, die für deine Größe eingezeichnet sind. Das ist zunächst einmal der Umriss des Schnittteils. Aber auch im Schnittteil können Linien verlaufen, die eventuell deiner Größe angepasst werden müssen.

Da wären, je nach Modell, die Linie der vorderen Mitte. Sie sollte zur Orientierung immer mit abgezeichnet werden, wenn dort nicht eh ein Bruch verläuft oder das Schnittteil dort endet.

Abnäher können, vor allem bei Blusen oder anderen Oberteilen, auch als Taillenabnäher im Teil verlaufen. Vorher auf der technischen Zeichnung des Modells oder im Schnitt direkt nachsehen!

Jegliche Markierungen, wie:

  • Ärmeleinsatzzeichen
  • Anstösse
  • Tascheneingriffe
  • Passzeichen, wie die Hüft-, Knie- oder Ellenbogenlinie (dargestellt als kleine Striche direkt am Umriss)
  • Reihzeichen (an diesen Stellen soll gekräuselt werden)
  • Platzierungen für Applikationen, Knöpfe, Knopflöcher, Ösen etc.
  • Faltenumbrüche
  • Kragenumbrüche

Fadenlauf

Ein weiteres sehr wichtiges Detail der Schnittteile ist der Fadenlauf. Er zeigt an, wie das Schnittteil auf den Stoff gelegt werden soll. Normalerweise verläuft der Fadenlauf gerade in Kettrichtung (vertikal auf dem Stoff, parallel zur Webkante). Mit Änderung des Fadenlaufs kann man mitunter tolle Effekte erzielen. Die fließende Silhouette der Kleider aus den 30er Jahren wurde durch einen Schrägschnitt, also einem Fadenlauf der um 45 grad gedreht wurde, erzeugt.

Wenn kein langer gerader Pfeil im Schnittteil zu finden ist, wurde der Fadenlauf an einer geraden Kante des Schnittteils definiert. Dies ist zum Beispiel so, wenn die vordere und hintere Mitte im Bruch liegt.

Nahtzahlen

In den Ecken oder an bestimmten Zeichen stehen Nummern daneben. Sie zeigen an welches Zeichen eines Teils an das gleiche eines anderen Teils gehört und in welcher Reihenfolge dies geschieht. Somit kannst du dich quasi an den Nahtzahlen entlang zum fertigen Teil hangeln.

Ich persönlich benutze sie nicht wirklich, kann mir das aber schon als praktisch vorstellen, wenn man nicht so ganz weiß, welchem Ablauf Schnittmuster folgen.

Beschriftung

Jedes Teil des Schnittmusters solltest du beschriften. Glaub mir, wenn du erstmal ein paar angesammelt hast, bricht das heillose Chaos aus, sobald mal was durcheinander gerät und nicht beschriftet ist.

Das Schnittmuster sollte einen Namen bekommen. Einzelschnittmuster aus dem Internet haben ja meistens klangvolle Frauennamen (ja, meine auch…). In Zeitschriften sind sie meist durchnummeriert. Sinnvoll ist dann natürlich auch die Ausgabennummer dazuzuschreiben.

Um welches Teil des Schnittmusters handelt es sich? Also beispielsweise „oberes Vorderteil“, „Taschenklappe“ etc.

Wie oft und wie wird es zugeschnitten? Viele Schnitteile braucht man ja zweimal, oft gegengleich oder im Bruch.

Die Linien der vorderen Mitte (vM), der hinteren Mitte (hM) und ob dort ein Bruch zu finden ist solltest du nochmal beschriften.

Praktisch ist auch einen Maßsatz aufzuschreiben, damit man immer die beabsichtigten Maße vor Gesicht hat.

Eventuell kannst du auch an die jeweiligen Kante schreiben, welche Nahtzugabe du beabsichtigst dort anzustellen oder sogar schon vorhanden ist.

Also, auf geht´s zum nächsten Nähprojekt! Mit deinem perfekt ausgestatteten Schnittmuster kann ja so gut wie nichts schief gehen. Ein letzter Tipp noch: Man sollte auch lesen, was man aufs Schnittmuster geschrieben hat! Klingt logisch, aber wer hat nicht schonmal aus Versehen die Seitennnaht anstelle der vorderen Mitte in den Bruch gelegt, weil man nicht nochmal drübergeschaut hat? Also ich nicht, ähem… zum Glück hab ichs immer vorm zuschneiden gemerkt!

Beschriftest du deine Schnittmuster immer ordentlich? Und gehen dir die vielen Linien auf diesen riesigen Bögen auch manchmal auf die Nerven? Lass es mich doch in den Kommentaren wissen.

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